Zuwachs für Forschungsbereich Gesundheit am Fraunhofer ISC

Presseinformation / 1.8.2017

BioVaS - mit Blutgefäßen versorgte Trägerstruktur für Gewebezüchtung.
© Foto TLZ-RT, Fraunhofer ISC

BioVaSc®: biologisch vaskularisierter Scaffold für Tissue Engineering – mit Blutgefäßen versorgte Trägerstruktur für Gewebezüchtung.

Immunofluoreszenzfärbung eines dynamisch kultivierten Lungentumormodells.
© Foto TLZ-RT, Fraunhofer ISC

Immunofluoreszenzfärbung eines dynamisch kultivierten Lungentumormodells. In grün erkennbar sind die für Pan Cytokeratin positiv markierte Zellen, in rot Zellen, die für den mesenchymalen Marker Vimentin positiv sind. Doppelt positive Zellen sind gelb und Zellkerne blau angefärbt

Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg baut seine Forschung und Entwicklung im Bereich der Material- und Verfahrensentwicklung für Gesundheit, Medizinprodukte und zellbasierte regenerative Therapien stark aus. Zum 1. August 2017 integriert das Institut das von Frau Prof. Dr. Heike Walles geleitete und an der Würzburger Universitätsklinik etablierte »Translationszentrum Regenerative Therapien für Krebs- und Muskuloskelettale Erkrankungen«, bisher Institutsteil des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart. Mit der Eingliederung in das Fraunhofer ISC wird der bisher verwendete Kurzname »TZKME« in »TLZ-RT« (Translationszentrum für Regenerative Therapien) geändert. Das Fraunhofer ISC in Würzburg wächst damit um 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

»Wir wollen mit neuartigen Materialien und Verfahren neue Therapieformen verfügbar machen, die körpereigene Heilungsprozesse in Gang setzen«, so umreißt Prof. Dr. Heike Walles das Ziel des Fraunhofer-Translationszentrums in Würzburg. Ergebnisse aus der aktuellen Materialforschung und der regenerativen Medizin sollen schnell in die klinische Anwendung gebracht werden. Dafür wird Know-how aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen im Translationszentrum zusammengeführt. Naturwissenschaftler, Biotechnologen, Materialforscher und Mediziner arbeiten gemeinsam an der Umsetzung in die präklinische und klinische Anwendung, in Kooperation mit Unternehmen aus Medizintechnik und Pharmaentwicklung. Thematische Schwerpunkte sind u. a. Implantate und Zelltherapien z. B. für Knorpel und Knochenersatz oder nach Krebserkrankungen.

Prof. Dr. Walles und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Translationszentrum wie auch an ihrem Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin am Universitätsklinikum Würzburg zielen dabei insbesondere auf Erkrankungen ab, die mit den jetzigen Standardtherapien nicht behandelt werden können. So kam auch schon frühzeitig die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer ISC in Würzburg und seiner Werkstoffentwicklung für den Bereich Gesundheit zustande. »Das Fraunhofer ISC hatte gemeinsam mit einem namhaften Industriepartner erfolgreich eine Wundeinlage entwickelt, die die Wundheilung bei chronischen Wunden stimuliert – ein regenerativer Materialansatz, der auch für den Bereich Tissue Engineering des Translationszentrums von großem Interesse ist«, wie Dr. Jörn Probst, Leiter des Bereichs Gesundheit am Fraunhofer ISC erläutert. Wichtig seien dabei nicht nur die biologische Verträglichkeit, sondern auch die Oberflächenstrukturierung des Trägermaterials und das dreidimensionale Gerüst, das den Gewebszellen ein gerichtetes Wachstum und narbenfreien Wundverschluss ermögliche. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist die Synthese von biologisch und biochemisch funktionalisierten Partikeln, die für individualisierte Diagnostik und Therapie eingesetzt werden können, sowie regenerative Therapieansätze in der Zahnmedizin.

Gemeinsam soll nun die zell- und zellgewebebasierte Entwicklung von neuen Therapien für die Behandlung von Krankheiten und Funktionsstörungen des menschlichen Körpers vorangetrieben werden. Als Partner eingebunden ist dabei auch das Universitätsklinikum Würzburg. Prof. Dr. Gerhard Sextl, Leiter des Fraunhofer ISC:  »Insgesamt wird durch diese neue Konstellation nicht nur der Arbeitsbereich Gesundheit am Fraunhofer ISC, sondern die anwendungsorientierte Gesundheitsforschung in Würzburg insgesamt enorm gestärkt«. Neben der materialbasierten Entwicklung neuer Therapieansätze stehe auch die Entwicklung von humanen 3D-in-vitro-Testsystemen und Bioreaktorsystemen für eine zuverlässige und schnelle Bewertung neuer Wirkstoffe sowie medizinische Produkte und Therapien im Fokus der Würzburger Fraunhofer-Forscher. Darüber hinaus spielten die Laborautomatisierung und neue Verfahren für die GMP-Produktion eine wesentliche Rolle. »Damit können wir neue Therapien in Zukunft schneller dahin bringen, wo sie gebraucht werden: zu den Menschen«, ist Prof. Dr. Sextl überzeugt.

Translationszentrum Regenerative Therapien

 

2009 nahm Prof. Dr. Heike Walles vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik den Ruf an die Medizinische Fakultät nach Würzburg auf den Lehrstuhl für Tissue Engineering und Regenerative Medizin an, wo sie zeitgleich die Fraunhofer-Projektgruppe »Regenerative Medizin für die Onkologie« aufbaute. Die Projektgruppe wurde im Jahr 2014 positiv evaluiert und ging im vom Freistaat Bayern geförderten »Translationszentrum für Regenerative Therapien und Muskuloskelettale Erkrankungen« auf. Seit 2014 leitet Prof. Dr. Heike Walles das Translationszentrum als Würzburger Institutsteil des Fraunhofer IGB. Zum 1. August 2017 wird das Zentrum nun in das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC mit dem neuen Kurznamen »TLZ-RT« (Translationszentrum für Regenerative Therapien) integriert.

Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

 

Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC – geleitet von Prof. Dr. Gerhard Sextl – entwickelt sich dynamisch. Unter der Führung des Würzburger Instituts wurde ab 2011 die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS in Alzenau und Hanau erfolgreich etabliert und zählt heute rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ebenfalls erfolgreich entwickelt sich der Ausbau der früheren Projektgruppe Keramische Verbundstrukturen zum Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau HTL in Bayreuth, wo inzwischen rund 100 Experten an Leichtbauwerkstoffen und Fertigungstechnologien für energie- und CO2-sparende Mobilität, Kraftwerkstechnik und Produktion arbeiten. Darüber hinaus entstand aus den Batterieforschungsaktivitäten am Standort Würzburg das international anerkannte Fraunhofer-Forschungs- und Entwicklungszentrum Elektromobilität Bayern FZEB mit mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das in Würzburg beheimatete Fraunhofer ISC ist so zu einem der führenden Zentren der Werkstoff- und Technologieentwicklung für Energie- und Ressourceneffizienz in Deutschland geworden. Mit der Integration des Fraunhofer-Translationszentrums für Regenerative Therapien wird nun auch der Bereich Gesundheit strategisch und personell stark ausgebaut.

Nach dem aufsehenerregenden Neubau am Stammsitz des Instituts am Neunerplatz in Würzburg durch das Londoner Büro Zaha Hadid Architects Ltd. und einem ebenso großen Institutsneubau in Bayreuth, der vor zwei Jahren in Betrieb genommen wurde, wurden in diesem Jahr mit drei Spatenstich-Terminen innerhalb von drei Monaten die nächsten Großbaumaßnahmen für das Fraunhofer ISC in Alzenau, Hanau und Bayreuth gestartet.