Glassensoren erfassen die Innenraumbeleuchtung in Museen und Vitrinen
29.08.2008
Problemstellung
Auch bei musealer Aufbewahrung werden Schäden an Kunst- und Kulturobjekten beobachtet. Seit einigen Jahren werden als Ursache hierfür unter anderem die Belastung der Innenräume und Vitrinen mit Schadgasen wie Schwefeldioxid und Stickoxid oder flüchtige organische Verbindungen wie Formaldehyd und Essigsäure diskutiert. Diese können durch Besucher oder eine Klimaanlage von außen eingetragen oder von Bau- und Dekorationsmaterialien emittiert werden.
Die Messung der klimatischen Verhältnisse und die Bestimmung der Schadgaskonzentration sind mit erheblichem apparativem Aufwand verbunden. Eine Aussage über Synergieeffekte ist anhand der Einzelmessungen grundsätzlich nicht möglich.
Die praxisgerechte Lösung
Mit Hilfe von Glassensoren ist eine einfache Erfassung des Gesamtrisikos wertvoller Objekte möglich. Glassensoren werden als Wirkungsdosimeter eingesetzt, da sie auf das komplexe Zusammenwirken unterschiedlichster Umwelteinflüsse reagieren.
Unauffällig und ohne aufwändige Anschlüsse vor Ort angebracht, können beispielsweise Ausstellungsbedingungen kontinuierlich überwacht werden. Anhand der Ergebnisse ist eine Optimierung der Klimaverhältnisse in den Vitrinen und Innenräumen möglich.
Aufgrund der zeitgerafften Darstellung der schädigenden Gesamtwirkung können Glassensoren zur "vorbeugenden Konservierung" als Frühwarnsystem für gefährdete Objekte eingesetzt werden.
Funktionsprinzip
Glassensoren bestehen aus korrosionsempfindlichen Kalk-Kali-Silicatgläsern als Dosimetermaterial, das auf Feuchte, Temperatur, Schadgase und Mikroorganismen reagiert. Die Exposition erfolgt für mindestens drei Monate. Im Anschluss daran werden die Sensoren im Labor ausgewertet: Der durch die Umweltbelastungen erzeugte Korrosionsfortschritt am Dosimetermaterial wird durch IR-Spektroskopie quantifiziert (DeltaE-Wert). Mittels Vergleichsmessungen wird das korrosive Gesamtrisiko am Expositionsort bewertet.
Anwendungsbeispiele
Glassensor-Studien wurden in Vitrinen, Museen, Galerien oder historischen Gebäuden an folgenden Standorten durchgeführt:
Deutschland:
- Würzburg, Residenz
- Dresden, Grünes Gewölbe
- Coburg, Glassammlungen der Veste Coburg
- Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek
- Heidenheim, Schloss Hellenstein
Portugal: Batalha, Klostermuseum
Großbritannien: London, Victoria & Albert Museum
Österreich: Wien, Schloss Schönbrunn
Italien: Florenz, Uffizien
Finanzielle Förderung
Die Entwicklung der Glassensor-Methode zur Erfassung der Innenraumbelastung in Museen und Vitrinen wurde durch ein dreijähriges, von der Europäischen Gemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt ermöglicht, das unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC, Würzburg, in Zusammenarbeit mit dem Victoria & Albert Museum, London und dem Klostermuseum, Batalha, durchgeführt wurde.
Unser Angebot
Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC bietet umfassende Glassensor-Studien an:
Konzeption der Studien, Herstellung und Lieferung der Sensoren, Charakterisierung der Spezialgläser vor und nach der Exposition (IR-Spektroskopie und Lichtmikroskopie) sowie Berichterstellung mit Messprotokollen und Diskussion der Ergebnisse.
Kostenvoranschläge werden gerne auf Anfrage erstellt.
Ansprechpartner:
Dr. Peter Mottner
Tel. +49 (0)9342 9221-711
Fax: +49 (0)9342 9221-799
E-Mail: peter.mottner@isc.fraunhofer.de

